China


Vorwärts China, vorwärts Olympia!

Nun ist es soweit: pünktlich 08:08:08 pm wurden die 29. Olympischen Spiele hier in Beijing eröffnet. Natürlich haben wir das Geschehen live verfolgt, nicht im Stadion, aber in erster Reihe auf dem Sofa. Toll! Und vom Balkon konnten wir auch das Feuerwerk über dem Tiananmen sehen.

Ich bin gespannt wie die Spiele verlaufen, aber der erste Eindruck ist sehr gut! ( und ich hab noch nie so wenige Autos hier gesehen…)

Unsere letzte Station – die ursprüngliche Reiseroute wurde aufgrund der Vorkommnisse in Kunming abgeändert – führte uns schließlich nach Xiamen, einer Stadt gegenüber Taiwans. Uns lockte das Wetter und die Aussicht auf Strandurlaub in diese Region, die wohl noch nicht so viele Ausländer gesehen hat. Jedenfalls waren wir sehr interessante Fotoobjekte und überall tönte das uns schon bekannte und leidige HALLOOO. Wir blieben allerdings nicht in der Stadt Xiamen selbst, sondern quartierten uns auf der Insel Gulangyu ein, die sich genau gegenüber Xiamen befindet und nur über eine 10-minütige Fährenfahrt zu erreichen ist. Die Insel ist von allen motorisierten Fortbewegungsmitteln befreit, nur für die chinesischen Touristen, die hier in Scharen herkommen, gibt es eine Art Golfkart, das das in einer festgelegten Route immer um die Insel fährt.

Wir haben in den Tagen dort eigentlich nicht allzu viel unternommen, das heiße Wetter ist dazu auch nicht sonderlich geeignet, also erkundeten wir unsere Insel und die Stadt Xiamen. Wir schlenderten am Ufer entlang, entdeckten ein sehr schönes Cafe, in dem wir dann mehrfach aßen und die Leute am Strand beobachten, und setzten uns mit Literatur bewaffnet an die Strandpromenade. Leider ist die Strandkultur hier in China noch nicht angekommen, die Chinesen meiden die Sonne und gehen eigentlich nur ins Wasser, um sich abzukühlen oder Fotos für daheim zu schießen. Man legt sich nicht an den Strand wie zu Hause, weshalb auch Wasser und Strand nicht besonders dazu einladen, um ehrlich zu sein, es ist sehr dreckig. Aber wenn man in einem Cafe oberhalb des Strandes sitzt, dann kommt das Sommergefühl ganz schnell wieder zurück.

Und naja, Bikini und Badehose kamen dann doch noch zum Einsatz, eher unfreiwillig, aber sehr willkommen. Wir mussten aus dem Hotel der Insel ziehen, denn wir hatten unwillkommene Gäste, mmh sehr große Gäste sogar und sehr eklig. Kurz: eine min. 10cm große Kakerlake an der Wand! Eine Kakerlake, die sich nicht nur in der Größe massiv von den uns bekannten Exemplaren unterschied, sondern noch dazu sich nicht von Licht und Lautstärke abschrecken ließ. Das war zu viel, allerdings lauerte im nächsten Zimmer wieder eine, weshalb wir mitten in der Nacht unsere Sachen packten und in das Holiday Inn zogen, wo wir keine lustigen kleinen Viecher erwarteten. Und das war auch so: im weichen, gemütlichen Bett im großen tollen Zimmer mit tollem Bad und allem drum und dran verbrachten wir die letzten beiden Nächte und das gute Gefühl über unsere Entscheidung verstärkte sich, als Torsten beim Aufziehen der Gardinen am nächsten Morgen den Pool des Hotels entdeckte und den wir nach einem ausgedehnten Frühstücksbuffett gleich testeten. Hach, so lässt es sich leben.

Und damit ist eigentlich auch schon alles aus Xiamen erzählt, unsere Reise ist zu Ende, wir sind wieder im aufregenden und gespannten Peking, wo wir heute abend live am Fernseher die Eröffnungszeremonie verfolgen werden. Wir haben zudem gestern unser Gepäckproblem mit einem weiteren Packet nach Hause gelöst und können nun unsere letzte Woche in China genießen.

Kurze Meldung, wir sind sicher und wohlbehalten wieder in Peking, und haben sehr angenehmen Unterschlupf gefunden.

Zu unserer zweiten Station auf unserer Reise gibt es viel zu erzählen, schließlich waren wir auch 7 Tage dort.

Guilin und Yangshuo liegen in der Provinz Guangxi im Südwesten Chinas und sind aufgrund der Natur dort die mit am meist fotografiersten Städte in China. Überall in dieses Gegend erheben sich Karstberge in den erstaunlichsten Formen, stehen Bauern bis zu den Waden in ihren Reisfeldern und zieren kleine Pagoden, Brücken und kleine Häuser die Landschaft. Yangshuo ist schon mehr eine internationale Backpacker-Gemeinde als ein chinesisches Dorf, aber gerade dies hat uns so gut gefallen. Guilin ist die nächstgrößere Stadt zu Yangshuo und deshalb das Erste, was Touristen sehen, wenn sie mit Flugzeug, Bus und Bahn zu Hunderten einfallen. Aufgrund unseres späten Fluges entschieden wir uns, die erste Nacht in einem Hostel in Guilin zu bleiben, am Morgen dort etwas zu unternehmen und dann über eine Stunde nach Yangshuo zu fahren. Also ließen wir uns am ersten Tag mit einem Boot den Elefantenhügel zeigen, der so aussieht, als ob ein Elefant seinen Rüssel in das Wasser eintaucht, und danach ein wenig die umliegenden Berge. Nach dieser Bootsfahrt schlenderten wir noch ein wenig durch den Ort, kamen an zwei Pagoden vorbei und brachen am Nachmittag nach Yangshuo auf. Die wichtigste Straße hier ist die Xi Jie (Weststraße), an der sich die Restaurants, Cafés, Souvenierläden und Hotels türmen und man sich mit Einheimischen, chinesischen und noch mehr westlichen Touristen entlangschiebt. Unser Hostel lag in einer kleinen Seitenstraße und wir entschieden uns sofort für das angepriesene besondere Zimmer, denn es hatte einen Balkon mit Ausblick auf den Li Fluss, auf dem tagsüber hunderte Bambusboote schwammen und in dem sich die Leute abkühlten. Trotz schlechter Wetterprognose hatten wir wunderbares Wetter, die Sonne schien jeden Tag und erwärmte mit über 30C. 

Am zweiten Tag mieteten wir uns Fahrräder und fuhren zum Mondberg, auch hier stammt der Name von der Gestalt des Berges ab, der ein Loch wie ein aufgehender Mond hat. Die Hitze war unerträglich und wer die grandiose Idee hatte, bei diesem Wetter die 1251 Stufen hinaufzusteigen, weiß ich nicht mehr genau, aber wir waren echt ganz schön k.o! Natürlich entschädigte der Ausblick etwas, denn man konnte an diesem Tag, wie an fast allen, wunderbar weit über das Land sehen. Auf dem Weg zum Berg sind wir an vielen Höhlen vorbeigekommen, es ist wohl eine der Attraktionen, sich im Schlamm in diesen Höhlen zu baden, aber das haben wir nicht gemacht. Wir haben uns stattdessen einen riesigen Banyan-Baum angeschaut und diesen einmal komplett umrundet, nachdem uns ein Chinese in perfektem Deutsch erklärt hatte, wenn man das als Paar täte, wäre eine Heirat sehr wahrscheinlich! Hihi.

Den dritten Tag ließen wir ruhig angehen, nachdem ich mich auch bei dem Ausflug zum Mondberg ein bisschen verbrannt hatte. Außerdem haben wir bei diesem Ausflug gelernt, dass man in dieser Hitze besser keine großen Touren macht. Wir blieben also im Ort und haben uns dort ein bisschen umgesehen. Am Abend, beim Schlendern durch die Weststraße, kamen uns viele Kinder entgegen, die dem Aufdruck auf ihren T-shirts nach von der lokalen Englischschule kamen und an uns vielen Ausländern das Gelernte testen wollten. So kam es, dass wir von zwei 7 oder 8-jährigen gelöchert wurden, woher wir den kämen, wie alt wir sind, wie wir heißen und wie uns Yangshuo gefällt.

Am vierten Tag buchten wir eine Tour auf dem Fluss von Xingping  nach Yangdi. Leider war dies kein so großer Erfolg, die Tour eher lausig. Die Anreise im öffentlichen Bus, dann ewiges Warten auf den Fahrer, der uns zum Boot bringen sollte, dann Fahren über Stock und Stein am Fluss entlang (und nicht darauf)und schließlich die Fahrt selbst. Nun ja, die Landschaft war schon toll, keine Frage, aber es waren eben die äußeren Umstände, die uns eher missfielen. Am Ende aber habe ich dann noch meinen persönlichen Höhepunkt dieses Ausfluges erleben können, denn wir waren genau an der Stelle, die auch auf dem 20-RMB-Schein dargestellt ist.

Der Ausflug am 5.Tag war wohl der Schönste von allen, denn wir buchten eine Tour zu den Reisterrassen in Longji. Diese Reisterrassen wurden in der Yuan-Dynastie angelegt und sicherten trotz steiler Berghänge eine Lebensgrundlage für die Menschen dort. Die Terrassen erstrecken sich bis in 900m Höhe und eine Terrasse ist etwa 2 bis 3 km lang. In dieser Gegend lebt das Volk der Yao, die sogar im Guinessbuch der Rekorde erwähnt werden, weil die Frauen hier Haare haben, die bis zum Boden reichen. Was natürlich eine Riesen-Attraktion für die vielen Touristen ist, die für die Yao eine ordentliche Einnahmequelle darstellt. Diese Frauen schneiden bloß einmal im Leben ihre Haare, nämlich wenn sie 18 werden, und danach erkennt man den Status der Frau anhand ihrer Frisur. Bei Kenntnis weiß man, ob sie verheiratet ist oder nicht und ob sie Kinder hat oder nicht. Das Dorf dieser Frauen erinnerte mich stark an ein Alpendorf, mit denselben Hütten, einem Fluss in der Mitte (perfekt zum Staudammbauen) und der Bergkulisse im Hintergrund. Von hier aus ging es dann mit einem kleineren Bus die Serpentinen hinauf zum Dorf Ping´an. Von dort aus erklommen wir die Aussichtspunkte für die Terrassen. Der Ausblick war gigantisch, bis in das Tal hinein wanden sich die Linien jeder einzelnen Terrasse und das saftige Grün des Reises hob sich deutlich von den grauen Dächern der Häuser ab. Das Wetter war auch an diesem Tag wieder super, was den Tag perfekt machte. Ein grandioser Ausflug!

An unserem letzen Tag schließlich machten wir noch ganz touristisch eine Tour mit einem Bambusboot, bevor wir unsere Sachen packen mussten, um dieses Paradies schon zu verlassen. Der Lonely Planet hatte schon ganz recht: wenn wir wie die meisten Touristen sind, dann planen wir eine kleine Weile und bleiben am Ende viel länger. Und selbst in den insgesamt 7 Tagen haben wir nicht alles gesehen, aber bei dem großen Angebot an Aktivitäten kann man auch selten alles schaffen. Wir sind jedenfalls sehr angetan und haben unsere Tage in Yangshuo sehr genossen.

Torsten bereitet die Bilder vor, um diesen Reisebericht abzurunden, bevor es dann bald ein paar Infos zu unserer letzten Station Xiamen gibt.

Wir sind auch hier gut angekommen, und haben nach viel Lauferei auch ein Hostel gefunden zum Schlafen. Das Hostel ist prima, nur Internetanschluss gibt es nicht, daher erst heute morgen die Ankunftsmeldung. Momentan haben wir einen Sonne-Wolken-MIx, hoffentlich gewinnen die Wolken nicht, dass wir wirklich etwas Strandurlaub machen können. Bis demnächst, alles Liebe.

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